Erklärung zu den Razzien am 24.03

Am Dienstag, dem 24. März, schlug die repressive Hand des Staates auch in diesem Haus zu. Der Infoladen wurde von der Polizei gestürmt – natürlich mit vermummten Gesichtern –, die Türen und Fenster eingeschlagen, Schränke und Toiletten zertrümmert, Material beschlagnahmt und Zines, Plakate und Flyer auf den Boden geworfen.

Wir, als Antimilitaristische Versammlung Wedding, treffen uns schon seit einiger Zeit im Infoladen. Mit diesen Worten möchten wir unsere Solidarität mit allen Personen und Projekten zeigen, die von den Razzien betroffen waren, hier in Berlin und in anderen Städten. Wir möchten aber auch klarstellen, dass dieser jüngste gewaltsame Angriff auch ein Angriff auf einen Stadtteil ist, der sich zum Widerstand entschlossen hat.

Die Versammlung ist offen, horizontal und antiautoritär. Einen Kilometer von hier entfernt wird Rheinmetall bald mit der Produktion von Bauteilen für Panzermunition, Artilleriesysteme und gepanzerte Fahrzeuge beginnen. Diese Teile, klein, aber tödlich, sind Teil einer größeren Maschine: des andauernden kolonialen und völkermörderischen Projekts, das Krieg nutzt, um Profit zu machen.

Für diejenigen, die sich dem Kampf gegen Kriege, Besatzung und Militarisierung sowie gegen die erschreckende Normalisierung eines seit drei Jahren live gestreamten Völkermords an den Palästinenser*innen anschließen, ist Repression keine Frage von Ob, sondern Wann. Doch während die Technologien der Repression immer ausgefeilter werden, sind ihre Taktiken alt: Einschüchterung, Überwachung, Misshandlung und Inhaftierung. Genoss*innen als „Extremist*innen“ und Gefahr für die Gesellschaft darzustellen. Dieselbe Gesellschaft, die jetzt aufgefordert wird und später gezwungen sein wird, ihre Kinder in den Krieg zu schicken. 

Die alte Erzählung vom „bösen Militanten“ gegen den „guten Bürger“ bröckelt.

Wer ist schuld daran, dass weltweit Tausende durch Krieg, Enteignung und von Menschen verursachte Katastrophen ums Leben kommen?

Angesichts globaler Kriege und Zerstörung lehnen wir das Konzept der Schuld ab. Wir sind nicht schuldig, aber wir sind alle Kompliz*innen im Kampf gegen die Unterdrückung!

Wir möchten mit einigen Worten unserer Gefährtin Sara schließen, die zusammen mit Sandro letzte Woche in Rom durch eine Explosion ums Leben kam:

„Es gibt einen enormen Unterschied zwischen der Gewalt der Unterdrückten und der der Unterdrücker: Die erstere folgt einer Ethik, die letztere nicht.“

Wir wollen heute an Sara und Sandro erinnern, weil sie in der Aktion starben, sie starben im Kampf. Wir denken an sie und an unsere Gefährtin Monica Caballero während der Solidaritätswoche, in der wir ihre Freilassung fordern, nachdem sie jahrelang wegen ihres Angriffs auf den chilenischen Staat inhaftiert und schikaniert wurde.

Wir widersetzen uns der täglichen Gewalt von Staaten und Herrschenden, Grenzen und Gefängnissen, Razzien und Einschüchterungen, wir begrüßen die Gewalt der Unterdrückten! Mit ihrem Beispiel werden wir die Flamme die ganze Nacht hindurch brennen lassen!